Auf dem Blog von Alexandre Vassalotti gibt es einen Hinweis auf den weblogger-mode. Mit diesem kann man direkt aus Emacs herraus bloggen und so sich das Webinterface sparen.
Auf den ersten Blick sieht das ganze auch ganz brauchbar aus, mal schaun wie das sich so gibt.
Heute will ich mal den wohl besten und komplettesten IMAP-Klienten den es momentan auf dem Markt gibt bewerben. Wanderlust ist ein Mailprogram für Emacs mit vielen interessanten Fähigkeiten.
Jetzt wird man sich Fragen, noch ein Mailer, wofür das denn? Aber Wanderlust konnte mich sehr schnell überzeugen, hier die Features die mich dazu brachten mir die Welt des Emacs einzutauchen:
- Sehr portabel
- Läuft überall dort wo auch Emacs läuft (Neben allen Linux und Unices, auch z.B. Mac OS X oder auch win32)
- Unterstützt IMAP4rev1,POP,NNTP,MH, Shimbun
- Vorallem die IMAP-Implementation von Wanderlust sucht ihres gleichen, denn sie ist schnell und unterstützt so ziemlich alles was IMAP4rev1 hergibt. Mit Shinbum steht im übrigen eine sehr mächtiger Nachrichtenaggregator zur Verfügung (rss ist damit auch möglich, aber auch wesentlich mehr).
- Themenbasierte Nachrichtendarstellung
- Die Nachrichten werden als Ast dargestellt
- Offline Operationen
- Man kann offline alle Aktionen wie löschen, verschieben/kopieren, als gelesen makieren duchführen und wenn man dann wieder online ist, alles auf einmal ausführen.
- Kein unnötiges downloaden großer Anhänge.
- Wenn man unterwegs ist und an einer Mail klebt ein dicker Anhang, fragt Wanderlust erst ob man den Anhang denn überhaupt haben will.
- Serverseitige Mailsuche
- Wenn man IMAP benutzt, kann man nach Mails auch auf dem Server suchen lassen, dies geht wesentlich schneller, als bei einer lokalen Suche.
- Virtuelle Ordner
- Man kann mehrere Ordner zu einem zusammenfassen, oder auch Suchabfragen als Ordner speichern.
- Automatisches löschen von alten Nachrichten
- Diese Fähigkeit ist sehr Hilfreich wenn man Verteiler aboniert hat, so kann man dann einfach Mails die älter als zum Beispiel 2 Wochen sind löschen lassen.
- Scoring
- Man kann nach bestimmten Kriterien Punkte verteilen, zum Beispiel bestimmte Wörter oder bestimmte Absender. Wenn eine bestimmte Mail eine definierte Punktzahl erreicht hat kann man eine Aktion ausführen, sie nicht anzeigen oder auch löschen zum Beispiel.
- IMAP-Funktionen auch bei nicht IMAP-Konten
- Was ich auch sehr an Wanderlust schätze ist, das bestimmte IMAP-Fähigkeiten auch bei nicht IMAP-Protokollen funktioniert. So kann man Mails die zu einem POP-Konto gehören, auch Schlüsselwörter vergeben. Diese werden dann allerdings im lokalen Cache auf der Festplatte gespeicher und nicht wie bei IMAP auf dem Server.
- GPG/PGP
- Wanderlust unterstützt natürlich GPG/PGP ohne große Probleme.
- Grafische Unabhängigkeit
- Ich hatte zwar Anfangs ja schon geschrieben, das Wanderlust sehr portabel ist, aber einen Punkt muss hier noch Erwähnung finden. Durch Emacs ist Wanderlust auch in grafischer Hinsicht wahrlich unabhängig. Es ist egal ob ich Wanderlust nun per SSH auf meinem Server starte oder zuhause unter Gnome (Unter X sieht es natürlich durch ein paar Icons noch etwas netter aus ;-)) oder unter Windows. Im Ende ist es aber doch das selbe Interface.
Natürlich hat Wanderlust auch einige Schattenseiten, die, wie ich finde, durchaus Verkraftbar sind. Im Prinzip gibt es 4 Schwächen:
- Schwierige Installation
- Es ist echt ein Krampf bis man wirklich alle Bibliotheken für Wanderlust zusammen hat, vorallem unter Windows. Gott habe den Paketmanager gütig, denn unter Linux/Gentoo ging das wesentlich einfacher, da Wanderlust schon in Portage enthalten war.
- Schwierige Konfiguration
- Durch die Dokumentation sich duchzuschlagen, ist nicht unbedingt jedermanns Sache. Aber sie ist dann doch Brauchbar und so ist das ganze noch bewälltigbar. Ausserdem liefert der Tarball einige brauchbare Beispieldateien mit.
- eLisp
- Da Wanderlust komplett in eLisp geschrieben ist, sollte man ein wenig offen dafür sein.
- 日本語
- Da Wanderlust primär von Japanern geschrieben wurde solte man wadoku.de zu seinen Lesezeichen hinzufügen, denn so manche weiterführende Information ist auf japanisch. Mit dem Wadoku stellt das aber kein so grosses Problem dar.
Auch wenn die negativen Punkte jetzt etwas schwer anmuten, sollte man sich nicht davon abschrecken lassen. Denn es gibt auch noch eines aktiven Verteiler, auf dem man die Entwickler mit Fragen löcher kann.
Insgesamt kann ich nur jedem empfehlen sich mit Wanderlust etwas auseinanderzusetzen, es lohnt sich definitiv!
Nach langem hin und her klapt nun auch die eingabe von UTF-8 codierten Zeichen in meinem emacs. Dazu musste ich folgende einträge zu meiner .emacs hinzufügen:
- (setq keyboard-coding-system (quote utf-8))
- (setq current-language-environment "UTF-8")
- (setq x-select-request-type '(UTF8_STRING COMPOUND_TEXT TEXT STRING))
Jetzt kann ich sogar ひらがな eingeben ohne größere Probleme.
